Findbuch - Einführung von Martin Stankowski

1. Surfen im Findbuch

2. Das Kölner VolksBlatt

3. Von der Redaktionsablage zum KölnArchiv

4. Provenienzen oder die Logik der 1970er Jahre

5. Was sonst noch?

6. Die Forschung

7. Was und wie finde ich im Findbuch?

8. Was kann man mit dem KölnArchiv alles machen?

9. Dank

1. Surfen im Findbuch

In dem Findbuch zu blättern, auf fast 300 Seiten mit tausenden von Eintragungen, Namen und Daten, tippt Erinnerungen an und setzt Assoziationen in Gang, die weit über das hinausgehen, was hier als sachlicher Eintrag oder bürokratische Provenienz erscheint: dem jedenfalls, der dabei war oder sich damit beschäftigt hat. Ob das ein Gründungsprotokoll der BISA, der "Bürgerinitiative südliche Altstadt" vom 11. Februar 1971 ist, bei dem ich mich erstaunt wundere nach mehr als 25 Jahren, daß da tatsächlich ein Gründungsakt mit Protokoll und amtlichem Eintrag stattfand - in diesen bewegten Jahren. Oder das Stichwort "Gastarbeiterwagen" im Karneval 1976. Mir fällt der Skandal wieder ein, als die Vereinskarnevalisten vom Kölner Festkomitee einen Wagen in den Rosenmontagszug schickten, der die ausländischen "Gastarbeiter", wie sie damals noch genannt wurden, als bettlägerige Faulpelze denunzierte, die nur scharf auf das deutsche Kindergeld seien. Der Protest dagegen, Heinrich Böll war beteiligt, blieb erfolglos, es gab allerdings Eier- und Tomatenwürfe und die politische Polizei ermittelte. Auch erfolglos.

Ein anderes Stichwort, auf das ich stoße: "R 16", Kürzel für eine SSK-Zelle in der Roßstraße in Ehrenfeld aus APO-Aktivisten, Trebegängern und Sozialarbeitern. Und das ist nur ein Mosaiksteinchen in dem bunten Bild von Aktionen und Happenings der "Sozialisten Selbsthilfe Köln". Was 1969 als Projekt für weggelaufene Heimzöglinge begann und damals noch "Sozial-pädagogische Sondermaßnahmen Köln", abgekürzt SSK hieß, wurde später zum Motor der Kölner Hausbesetzungen und zahlreicher Aktionen gegen die Sanierung, oft Happenings, wie der legendären "Wohnraumrettungsgesellschaft", aber auch gegen die Zustände in der Psychiatrie. Später als "Sozialistische Selbsthilfe Köln" (SSK) mit zeitweilig mehr als 100 Mitgliedern und einem halben Dutzend Gruppen, von denen einige noch 30 Jahre später, am Ende der 1990er Jahre, existieren.

Ähnlich geht es mit anderen, "zufälligen" Stichworten wie "Bleiwurm", eine alternative Betriebszeitung im Hause Neven-DuMont, die Mitte der 1960er Jahre versuchte, die liberalen Sprüche des Kölner Verlegers auf die reale Betriebswirklichkeit herunter zu deklinieren. Oder beim Stichwort "Platania" und dem Namen Plöthner, Mitglied der ersten grünen Ratsfraktion, der 1985 mit laufender Motorsäge im Rat erschien, um gegen die Abholzung der Platanen am Kaiser-Wilhelm-Ring zu protestieren. Stollwerck und Imhoff, Rüger und Kaussen, BINA und Baggerwehr, die Stadtautobahn in Nippes und die Falken, das Netzwerk und "Frauen lernen leben". Oder auch die zahlreichen Adressen, wie Aachener Straße 55, Spichernstraße und Marienstraße, Brüsseler Straße 99 und Neusser Platz, die einige der zeitweilig über 100 besetzten Häusern in Köln markieren. Diese und weitere Namen und Daten tippen Erinnerungen an und verweisen zugleich auf einen "Bauplan der Stadt", der Personen, Räume oder Straßen enthält, die auf der offiziellen Landkarte nicht verzeichnet sind. Denn auch hier gilt selbstverständlich, was die Schriftstellerin und Gründerin des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins Louise Otto-Peters schon vor über 100 Jahren schrieb: "Die Geschichte aller Zeiten lehrt, daß diejenigen auch vergessen wurden, welche an sich selbst zu denken vergaßen."

2. Das Kölner VolksBlatt

Am 1. Oktober 1974 erschien die erste Ausgabe einer neuen Monatszeitung "Kölner Volksblatt" mit dem Untertitel "Bürger-initiativen informieren". Nach dem Niedergang der studentischen Protestbewegung der 1960er Jahre, bei dem ein Teil den "Marsch durch die Institutionen" antrat, ein anderer Teil sein politisches Glück in den Mustern kommunistischer Kaderorganisationen suchte, gab es genügend Leute in Köln, die das Prinzip der Selbstorganisation favorisierten. Das meinte Bürgerinitiativen und Stadtteilgruppen, Anwohnerprojekte gegen Autobahnbau oder für Bauspielplätze, aber auch unabhängige Betriebsgruppen, die Selbsthilfe von Behinderten oder Projekte für die Dritte Welt, Hausbesetzer und Rote Hilfe, die neuen Frauengruppen so gut wie die alten Freidenker: gemeint waren alle, die sich freiwillig zusammentaten, um gemeinsam, und damals noch ohne berufliche Ambition, ihre Interessen zu vertreten. Darin war ein starker antiinstitutioneller und ein kräftiger antiparlamentarischer Zug enthalten. Köln war in diesen Jahren eine Hochburg solcher Gruppen. Das Kölner VolksBlatt wurde nicht nur ihr Organ in einer Stadt, sondern auch zum Muster für zahlreiche andere Publikationen in vielen Städten der ganzen Republik. Ausdruck für die Vielfalt und Fülle der lokalen Szene, und deshalb heute ein historisches Dokument, sind die "Stattbücher", die ab 1980 vom VolksBlatt herausgegeben wurden und erst Hunderte, später Tausende von Adressen, Kontakten, Hinweisen und Tips für das al-ternative Leben und Agieren in der Stadt enthielten.

Bundesweit existierten Ende der 1970er Jahre fast 400 verschiedene oppositionelle lokale Medien, wie die Volksblätter und Stadtzeitungen, später auch die Stadtmagazine (vgl. z. B. Mappe 483 des Bestandes), sowie in Köln auch als Besonderheit ein Tochterunternehmen des VolksBlatt, eine aktuelle Videoproduktion unter dem Titel "Kölner Wochenschau".

Die Arbeit im und am Kölner VolksBlatt organisierte ein offener Kreis von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, wobei jahrlang als Dogma der Redaktionsgruppe galt, daß alle Tätigkeiten von allen gleichberechtigt erledigt werden mußten: ob Recherche oder das Schreiben der Beiträge, der Umbruch oder der Vertrieb, die Buchhaltung und der Verkauf. Anfangs existierte eine halbe bezahlte Stelle, später wurde das nachundnach aufgestockt, bis es Anfang der 1980er Jahre mit Hilfe von AB-Mitteln acht feste Stellen gab, die mit bezeichnendem Understatement "Bürodiener" hießen, die aber gleichwohl ein immer höheres Maß an professioneller und auch spezialisierter Arbeit aufwiesen. Von Mai 1979 bis Anfang 1982 erschien das Kölner VolksBlatt nicht mehr monatlich, sondern alle 14 Tage.

Zu den Arbeiten zählte auch der Aufbau eines Redaktionsarchivs, das einerseits Materialien - wie Broschüren, Plakate, Zeitschriften, Flugblätter - der Gruppen und Initiativen sammelte, über die publiziert wurde, andererseits aber Quellenmaterial aus Rat, Verwaltung, Wirtschaft, Polizei usw. zusammentrug, das für die Informationen über die "Gegenseite" und die redaktionelle Arbeit wichtig schien. Außerdem wurde die Kölner Tagespresse auf die VolksBlatt-spezifischen Themen hin ausgewertet. Schließlich sammelte das Redaktionsarchiv auch viele der alternativen Publikationen deutscher Sprache, etwa 100 Zeitschriften, die im Austausch bezogen wurden und verwahrte wichtige Manuskripte sowie die Fotos der publizierten Beiträge.

3. Von der Redaktionsablage zum KölnArchiv

Ende 1981 war die alte Redaktionsgruppe des Kölner VolksBlatt "erschöpft", die Rezeption einer Bürgerinitiativenzeitung nicht mehr selbstverständlich wie acht Jahre zuvor und die Konkurrenz der Stadtmagazine erdrückend. Man entschloß sich mehrheitlich, die Zeitung Anfang 1982 einzustellen. Bei der Aufteilung der "ideellen Mobilien", nämlich Titel und Abonnentenkartei, dem Verlagsprogramm mit den Rechten an Büchern und Broschüren, sowie dem Redaktionsarchiv stellten sich drei verschiedene Interessengruppen heraus.

Ein Teil der alten Redaktionsgruppe entschied sich unter dem Titel "Kölner Volksblatt Verlag" dafür, einen Buchverlag mit dem Spezialprogramm ökologischer und politischer Literatur weiterzuführen. Dieser Verlag brachte rund 130 Titel auf den Markt und existierte bis Ende 1995 (vgl. Mappen 3326 und 3328 des Bestandes).

Ein kleinerer Teil, sowie Aktivisten aus der Bürgerinitiativenszene entschieden sich, die Zeitung monatlich weiterzuführen und edierten sie neu nach einer halbjährigen Pause ab Herbst 1982. Diese Zeitung "Kölner Volksblatt" erschien herausgegeben vom "Kölner Stadtforum" und angesiedelt im Bürgerzentrum Alte Feuerwache noch bis 1999.

Schließlich entschloß sich eine dritte Gruppe aus dem alten VolksBlatt, zusammen mit weiteren Interessenten, das Redaktionsarchiv zu übernehmen und als eigenständiges Archiv zu etablieren. Mitte 1986 wurde der Verein "Köln Archiv e.V." gegründet, der sich als "Sammlung von Dokumenten und Materialien zu den Protestbewegungen in Köln nach 1945" definiert. Mitglieder in dem Verein sind sowohl Einzelpersonen als auch politische Projekte und Initiativen. Unter wechselnden Adressen (Palmstraße 17; Maastrichter Straße 49; Hohenstaufenring 42 und Glasstraße 80) sammelten, ordneten und archivierten wir die Materialien, die die soziale, politische, ökologische und kulturelle Alternative in dieser Stadt belegen.

Die Vorstellung war zunächst, das Archiv als immer aktuelle Arbeitsstelle für die interessierte Öffentlichkeit, vor allem aber für die oppositionellen Gruppen in der Stadt zugänglich zu halten. Als sich nach einigen Jahren herausstelle, daß die Ressourcen

begrenzt und ein Interesse eher bei Journalisten als bei Aktivisten zu finden ist, entschloß sich der Verein, die eigene Sammlungstätigkeit einzustellen, aber die vorhandenen Materialien zu sichern und so aufzubereiten, daß sie auf Dauer öffentlich zugänglich sind. Allerdings wurden und werden spezielle Sammlungs- bzw. Forschungsprojekte initiiert, welche die Bestände zeitlich und sachlich erweitern (wie z. B. das "50er Jahre-Projekt" oder die Sammlung von Kurt Holl "68 am Rhein" - s. u.) oder aber auch vorhandene Lücken schließen bzw. die Materialien zusammenführen und ordnen sollen (z. B. das Material unter dem Stichwort "BISA" ).

Einzelne Bestände, die für eine rein lokale Sammlung nicht von Bedeutung waren, wurden im Laufe der Jahre abgegeben. So etwa der größte Teil der überregionalen Alternativzeitungen an das "Archiv der sozialen Demokratie" (Friedrich Ebert Stiftung) nach Bonn, welches heute eine der umfassendsten Sammlungen solcher Publikationen der 1970er und 1980er Jahre enthält. Materialien und Zeitschriften der politischen Linken, die nicht speziell Köln oder das Rheinland betrafen, wurden dem "ID-Archiv im Internationalen Institut für Sozialgeschichte/Amsterdam" übergeben. Diese Sammlung, die wohl größte zur un-dogmatischen Linken der Bundesrepublik, ist entstanden aus dem Frankfurter "Informationsdienst für Undogmatische Nachrichten", dem "ID", mit dem das Kölner VolksBlatt eine Reihe historischer Gemeinsamkeiten hatte und der als der entscheidende Vorläufer der 1986 gegründeten "Tageszeitung", der TAZ, gilt.

Im Februar 1996 schloß der Verein KölnArchiv mit dem "Historischen Archiv der Stadt Köln" einen Leihgebervertrag. Seitdem sind die Materialien des KölnArchivs als Depositium im Stadtarchiv und können dort zu den üblichen Zeiten eingesehen und benutzt werden. Der Verein KölnArchiv selber hat keine eigenen Geschäftsräume mehr.

4. Provenienzen oder die Logik der 1970er Jahre

Das KölnArchiv - oder archivchinesisch gesprochen der Mischbestand aus gewachsenen Registraturen, Sammlungen und Themendokumentation - besteht aus einer Reihe von Teilbeständen. In diesem Inventar erscheinen diese jedoch nicht jeweils gesondert, sondern der Inhalt dieser Vielzahl von Provenienzen wurde - um es dem Benutzer einfacher zu machen - thematisch nach den Begriffen des alten Redaktionsarchivs gegliedert. Das sind die im Inhaltsverzeichnis genannten 40 Abteilungen, alfabetisch geordnet von "Alte Menschen" bis "Wahlen". Diese Begrifflichkeit der 1970er Jahre wurde absichtlich beibehalten, um den historischen Ursprung des KölnArchivs deutlich zu machen und zugleich in die Logik und Semantik der Sammlung einzuführen. Politik und Gesellschaft stehen uns doch in Form von Sprache und Bedeutung gegenüber und das politische Bedeutungsvokabular sagt viel über Definitionen, Ziele und Ansichten aus. Manche Zuordnungen kommen uns heute denkwürdig vor, wie etwa "Sinti/Roma" unter "Ausländer" oder die Ansiedlung des Themas "§ 218" bei den "Frauen"; auch die üppige Klassifizierung unterschiedlicher Personen oppositionellen Charakters unter "Linke" (Vgl. Sign. 538-540), würde man heute nicht mehr vornehmen. Das ist heute, aber wer weiß, wie wir in 20 Jahren denken und einordnen werden?

 

Hängeregister
Das Hängeregister ist mit 800 Themendokumentations-Mappen der größte Teilbestand. Er ist aus der alten Sammlung des Redaktionsarchivs erwachsen und beinhaltet Sammlungsmaterial (Originale) gleichermaßen wie Dokumentationsmaterial (Kopien/ Analysen). Sie wurden nach der Übernahme durch den Verein KölnArchiv fortgeführt. Einige Jahre kam hierbei der Umstand zu Hilfe, daß die Fraktion "Die Grünen" im Kölner Rat vom KölnArchiv einen Pressedienst erstellen ließen, welcher auch die Mappen speiste.

 

AGAP
Die "Arbeitsgemeinschaft Alternativpresse" (AGAP) war eine Forschungsgruppe in Bonn, die zwischen 1978 und 1982, unter der Leitung von Dr. Wolfgang Beywl, Geschichte, Themen und Organisation der alternativen Medien als Beitrag zur "Partizipationsforschung" untersuchte. Zeitweilig versuchte die Gruppe auch selber, die Redaktionen der Alternativzeitungen zu gemeinsamen Treffen und Kooperationen zu animieren. Ihre Sammlung übergab sie später dem KölnArchiv. Die Bestände mit insgesamt 57 Einträgen haben eine eigene Systematik, die als Hinweis (in Klammern gesetzte Ziffern) hinter dem jeweiligen Stichwort auftauchen.

 

BISA
Die "Bürgerinitiative Südliche Altstadt" (BISA) entstand als eine der ersten und ältesten Kölner Bürgerinitiativen in den Jahren 1970/71. Wichtige Projekte in der südlichen Altstadt und Neustadt gehen auf BISA-Aktivitäten zurück wie der "Trägerverein für einen Bauspielplatz" (TRAB), die kritische Begleitung der ersten Kölner Sanierung und der Verkehrsführung im Severinsviertel, aber auch Stadtteilfeste oder der Bürgerladen in der Zwirnerstraße; vor allem aber die Pläne zur Umnutzung des ehemaligen Stollwerck-Areals mit anschließender Besetzung und das spätere autonome Kulturzentrum "Palazzo Schoko". Der BISA-Bestand mit 291 Nummern ist der bestgeordnete Teilbestand im KölnArchiv. Das gesamte Material wurde in den 1990er Jahren von Maria Naumann aufgearbeitet und dazu ein eigenes Findbuch angelegt. In das vorliegende Gesamtverzeichnis wurden die Teilbestände BISA in verkürzter Textform aufgenommen.
(Ein Findbuch BISA findet man hier separat unter "Leben im Stollwerck/BISA". Es beinhaltet nicht nur umfänglichere Titelaufnahmen, sondern auch eine Reihe von Chronologien zu den Aktionen der BISA).

 

BüBePo
Die Initiative "Bürger beobachten die Polizei" (BüBePo) existierte in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre in Köln, ähnlich wie vergleichbare Gruppen aus dem Umfeld der Menschenrechts- und Justizbewegung in anderen deutschen Großstädten. Die Initiative sammelte alle veröffentlichten Materialien zur Polizei, insbesondere zu "Polizeiübergriffen", um die in der Regel fehlende Öffentlichkeit herzustellen. Bei Auflösung der Gruppe ging das gesammelte Material mit insgesamt 35 Einträgen ans KölnArchiv über. Der Teilbestand hat eine eigene Systematik, die als Hinweis (in Klammern gesetzte Ziffern) hinter dem jeweiligen Stichwort auftauchen.

 

Dappen
Uwe Dappen war Mitglied einer Initiative, die sich kritisch mit dem Thema Gentechnik beschäftigte. Hieraus schöpft der Bestand zu diesem Thema mit insgesamt sechs Nummern aus den Jahren 1979-1986.

 

Dillmann
Uli Dillmann war Mitglied verschiedener Initiativen und politischer Gruppen. Aus seiner Arbeit als Jugendfunktionär der Industriegewerkschaft Druck und Papier in den Jahren 1976-1980 stammt der Teilbestand mit insgesamt sieben Nummern.

 

Die Falken
Die sozialistische Jugendorganisation "Die Falken" ist eine alte Organisation aus dem Umfeld der Sozialdemokratie, die seit Anfang der 1960er Jahre ihren Sitz und Büros in dem früheren Stadtturm "Bottmühle" hat. Da die Falken kein eigenes örtliches Archiv unterhalten (frühere und spätere Bestände sind wohl an das zentrale Falken-Archiv in Oer-Erkenschwick abgegeben worden), wurden schriftliche Organisationsunterlagen (Korrespondenzen, Programme, Protokolle usw.) aus den Jahren 1975 bis 1980 an das KölnArchiv abgegeben und sind mit 31 Nummern als Teilbestand vorhanden.

 

Firmen
Die Redaktion des Kölner VolksBlatt sammelte seit 1975 (eher unsystematisch) Pressematerial, Geschäftsberichte u. ä. über und von Kölner Firmen, Betrieben und städtischen Unternehmen, die für die redaktionelle Berichterstattung relevant erschienen. Dieser Teilbestand in 23 Nummern mit 111 Einträgen ist unter dem jeweiligen Firmennamen zu erschließen.

 

Göbel
Dieter Göbel (Jahrgang 1954), Diplompädagoge, war Gründungsmitglied der Kölner Gruppe des "Sozialistischen Büros", des "Netzwerk" (s. u.) und war als undogmatischer Linker an vielen Aktivitäten (z. B. der Stollwerck-Besetzung) in Köln beteiligt. Er gehörte zur ersten Fraktion der Grünen ab 1985 dem Kölner Stadtrat an. Vor allem aus dieser Tätigkeit als Fraktionsmitglied und Mitglied der Partei "Die Grünen", sowie seiner Mitarbeit im Arbeitsauschuß des überregionalen "Sozialistischen Büro" in den Jahren 1984 bis 1992 übergab er Unterlagen an das KölnArchiv, die mit 45 Nummern in diesem Teilbestand enthalten sind.

 

Hippe
Wolfgang Hippe (Jahrgang 1946), Journalist, war Mitglied studentischer Basisgruppen Anfang der 1970er Jahre, gehörte zur örtlichen Unterstützergruppe der TAZ und Anfang der 1980er Jahre zur Redaktion der "Kölner StadtRevue", war aktiv in zahlreichen Initiativen u. a. gegen die Volkszählung, das atomare Endlager in Gorleben, den Ausbau der Atomenergie sowie in unterschiedlichen Bürgerrechtsgruppen. Aus allen diesen Aktivitäten besteht der Teilbestand mit insgesamt 57 Nummern von Mitte der 1970er bis Ende der 1980er Jahre.

 

Holl
Kurt Holl (Jahrgang 1938), Lehrer, ist in Köln als aktiver Linker seit Anfang der 1960er Jahre bekannt. Vor allem in den Jahren um '68 in der studentischen Protest-bewegung, wurde er Mitte der 1970er Jahre mit Berufsverbot belegt. Kurt Holl initierte u. a. eine Gruppe, die sich um die Geschichte der Zwangsarbeit im III. Reich kümmerte, engagierte sich für die Grünen im "Polizei-Beirat" und gründete u. a. den "Rom e. V.", in dem er seitdem aktiv ist. Aus allen diesen zahlreichen Aktivitäten von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart besteht der Teilbestand mit insgesamt 40 Nummern.

 

Initiativen
Unter dieser Provenienz sind kleinere Bestände von oder über Kölner Initiativen zusammengefaßt, die entweder keinen aktiv Beteiligten als Urheber des Materials haben (z. B. über die Protestaktionen gegen das Fällen der Bäume am Kaiser Wilhelm Ring im Jahre 1985 unter dem Stichwort "Republik Platania") oder verschiedener Herkunft sind (z. B. über die Zeitung "Kölner VolksBlatt").

 

Möller
Frank Möller (Jahrgang 1954), Journalist, war Mitglied der TAZ-Initiative Köln sowie verschiedener Umweltgruppen und des "Arbeitskreises Chemische Industrie", der 1982 die Blockade gegen die Dünnsäureverklappung der Fa. Bayer in Leverkusen organisierte. Er gehörte zum Redaktionskollektiv der Zeitschrift "Kölner VolksBlatt" bis 1982 und war dann Verleger im "Kölner Volksblatt Verlag". Der Teilbestand umfaßt mit 25 Nummern und 105 Einträgen vor allem seine umweltpolitischen Aktivitäten.

 

Netz
Das "Kölner Netzwerk" wurde nach dem Berliner Vorbild 1979 gegründet, um alternativökonomische und sozialgewerbliche Projekte und Betriebe, vor allem solche in Selbstverwaltung finanziell zu unterstützen. Das Kölner VolksBlatt selber war Mitglied im Netzwerk und wurde mehrfach gefördert. Als sich das Netzwerk 1991 auflöste, ging der gesamte Aktenbestand mit Materialien der geförderten, aber auch Unterlagen der nichtgeförderten Projekte und Betriebe, mit Rechnungs- und Kassenbelegen, Korrespondenzen, Protokollen usw. vollständig an das KölnArchiv. Der Teilbestand besteht aus 39 Nummern mit 62 Einträgen.

 

Roth-Otto
1977 waren in Köln der Arzt Karl-Heinz Roth und Roland Otto angeklagt, auf einem Parkplatz in Köln bei einer Festnahme an der Tötung eines Polizisten beteiligt gewesen zu sein. Zu diesem Prozeß organisierte sich eine Unterstützergruppe (deren Bürositz in der Glasstraße 80 war, die spätere Adresse des KölnArchivs), die in kritischer Prozeßbegleitung Öffentlichkeit über das Verfahren herstellen und zu dem späteren Freispruch der Angeklagten beitragen konnte. Alle Materialien dieses Unterstützerbüros sind mit 20 Nummern Teilbestand des KölnsArchivs.

 

Stankowski
Martin Stankowski (Jahrgang 1944), Journalist, gehörte 1972 zu den Mitbegründern der selbstverwalteten Druckerei "Betrieb" in Köln-Niehl und zu den Initiatoren des Kölner VolksBlatt. Ab 1983 engagierte er sich im KölnArchiv. Beruflich u. a. für den WDR tätig, hat er vor allem zu Themen wie alternative Ökonomie, Stadtplanung und Spekulation ("Bauherrenmodell" ursprünglich "Kölner Modell"), über Klüngel, Stollwerck und weitere lokalpolitische Themen gearbeitet. In den 1990er Jahren publizierte er zunehmend zu Themen aus dem Umfeld der neuen Geschichtsbewegung und gehörte zu den Initiatoren eines Zusammenschlusses verschiedener historisch arbeitender Projekte unter dem Stichwort "Historische Kooperation". Aus diesen verschiedenen Feldern stammen die Materialen, oft Ergebnis journalistischer Recherchen für Filme, Rundfunkbeiträge oder Bücher, mit insgesamt 78 Nummern im Teilbestand.

5. Was sonst noch?

Zum Gesamtbestand des KölnArchivs zählen neben den gesammelten Materialien unterschiedlicher Provenienzen in den o. a. Teilbeständen auch folgende Spezialitäten:

 

Bücher
Das KölnerVolksBlatt unterhielt eine kleine Bibliothek, die zu den redaktionellen Themen Spezialliteratur sammelte. Davon sind insgesamt etwa 240 (leider nicht katalogisierte) Titel vorhanden zu den folgenden Gebieten:

 

Zeitschriften
Aus dem Gesamtbestand der Zeitschriften wurden im KölnArchiv nur einige überregionale, aber für den Bestand typische Titel belassen. Außerdem sämtliche lokale Publikationen, die zum Umfeld der alternativen oder oppositionellen Gruppen und Medien zählen, insbesondere die Periodika der Initiativen selber. Hierzu gibt es eine eigene Bestandsliste im Anhang (siehe Anhang 3)

 

Fotos
Es existiert eine (ungeordnete) Sammlung von Fotos, die im Laufe der Jahre, vor allem bei der redaktionellen Arbeit des Kölner VolksBlatt anfielen. Ursprünglich in den jeweiligen Themenmappen, wurden sie bei der Neuorganisation der Archivbestände herausgenommen, und in einem eigenen, nicht erschlossenen Teilbestand zusammengefaßt. Die meisten Fotos in den ersten Jahren des Kölner VolksBlatt machte Gernot Huber (heute Fotoagentur laif), aber auch Bilder anderer Kölner Fotografen wie Axel Krause, Eusebius Wirdeier und anderen sind darunter.
Die Fotos Gernot Huber sind als Gesamtbestand gesondert erfaßt und zugänglich unter dem Stichwort "FotoGalerie"

 

Buttons, Kleber etc.
Das Medium der Buttons, Sticker, Kleber usw. gehörte neben Flugblatt und Plakat zu den beliebtesten Agitationsmedien in den  1970er und 1980er Jahren. Diese wurden ebenfalls bei der Neuorganisation der Bestände in einem eigenen kleinen Teilbestand zusammengefaßt.

 

Plakate
Plakate waren eines der wichtigsten Medien öffentlicher Information und auch des Protestes der sozialen Bewegungen und Bürger-initiativen. Vor allem der SSK war mit Textplakaten und Wandzeitungen kreativ und zugleich Vorbild und Muster für viele andere Gruppen und Projekte. Im KölnArchiv existiert eine eigene Plakatsammlung mit etwa 600 verschiedenen Exemplaren, die grob sortiert nach ähnlichen Themengruppen wie der Gesamtbestand zusammengefaßt sind. Dieser Teilbestand "Plakate" umfaßt die gesamte Zeit von den späten 1960er bis Mitte der 1990er Jahre (vgl. Anhang 2).

6. Die Forschung

BISA
Alle Materialien, die die Geschichte der BISA ab 1980 betreffen, insbesondere der Stollwerck-Besetzung, wurden in einem Teilbestand zusammengefaßt, ihre jeweilige Provenienz aufgelöst, und das gesamte Material neu erschlossen. Es existiert - wie oben erwähnt - ein spezielles Verzeichnis mit detaillierter Erschließung. (Näheres findet man unter "Nachträge")

 

SSK
Ähnliches ist für die Zukunft für das Material aus dem Umfeld des SSK geplant. Das betrifft die Themen Häuserkampf in Köln, Psychiatrie, medizinische Versorgung, Obdachlosigkeit, Armut und Sanierung. Vieles davon ist noch im Privatbesitz der ehemaligen Protagonisten und muß erst zusammengetragen werden. U. a. kommt 2004/05 ein größerer Bestand aus dem Besitz von Lothar Gothe, einem der Urgründer des SSK, hinzu. (Näheres findet man unter "Nachträge")

 

1950er Jahre
Um den zeitlichen Anschluß an die oppositionellen Gruppen und Bewegungen in Köln vor der Apo-Zeit herzustellen und ihre Materialien, soweit vorhanden und verfügbar, zu dokumentieren, organisierte das Köln-Archiv 1990/91 ein Forschungsprojekt, das vom Arbeitsamt mit drei AB-Stellen unterstützt wurde. Der Titel lautete "Oppositionelle Bewegungen der 50er Jahre in Köln". Hierzu gibt es einen kurzen Bericht von Irene Franken, sowie ein eigenes Bestandsverzeichnis (siehe Anhang 1).

 

1968 am Rhein
Im Jahre 1998 organisierte Kurt Holl (s. o.), Lehrer und ehemaliger SDS-Aktivist, eine Ausstellung unter dem Titel "68 am Rhein" und gab einen umfangreichen Dokumentationsband "1968 am Rhein - Satisfaction und Ruhender Verkehr" zusammen mit Claudia Glunz heraus. Hierzu ermittelte er zahlreiche private Bestände ehemaliger Beteiligter mit u. a. Flugblättern, Zeitschriften, Büchern, Briefen und Fotos. Viele dieser Materialien, die im Kontext des Buches zusammengetragen wurden, gehören mittlerweile zum Bestand des KölnArchivs.

7. Was und wie finde ich im Findbuch?

Sämtliche Teilbestände des KölnArchivs sind nach der selben Systematik erschlossen. Zur Bestellung einer Akte/Mappe ist zunächst das Auffinden eines Titels und der dazu gehörigen Signatur erforderlich. Die Signatur besteht an erster Stelle aus der Bestandsnummer des KölnArchivs (Best. 7740). An zweiter Stelle folgt die Nummer der Akteneinheit, in der Regel eine Archivmappe.
Beispiel: KölnArchiv Best. 7740 Nr. 220 für die Akte: "CDU-Frauen 1982-1987".
Die Nummern der einzelnen Akten sind blockweise auf die einzelnen Teilbestände verteilt worden und dort jeweils durchlaufend. Eine Zuordnung der einzelnen Nummernbereiche auf die jeweiligen Teilbestände findet man zu Anfang der Konkordanz im Register.
Das Verzeichnis nennt in der ersten Spalte die Aktennummer. Wenn mehrere Themen-einheiten in einer Mappe abgelegt worden sind, z. B. wenn nur wenige Blatt jeweils vorhanden sind, dann ist dies ablesbar an dem Hinweis "in …".
Die mittlere Spalte gibt Auskunft für den Inhalt der jeweiligen Akte, teilweise ab-gekürzt, aber auf jeden Fall verständlich.
Der Hinweis "vgl. …" verweist auf eine thematisch zugehörige Akte/Mappe in einem anderen Bestand anhand seiner Signatur. Über die "Konkordanz von Signatur zu Seitenzahl" (siehe Register) kann man dann den entsprechenden Fundort im Verzeichnis ermitteln.
Der Hinweis auf den Teilbestand gibt an, aus welcher Provenienz (s. o.) das Material stammt.
Die rechte Spalte nennt den Zeitraum, auf den sich die Akte vornehmlich bezieht.
Da das KölnArchiv alles das gesammelt hat, was Opposition in Köln betraf, aber auch alles, was Oppositionelle interessierte, muß man auf der Suche nach bestimmten Materialien, Themen, Menschen oder Aspekten mitdenken und auch überlegen, in welchem historischen oder politischem Zusammenhang ein Thema oder eine Person auftauchte. Die Stichworte, häufig später über die Mappen und Materialien der "Spender" gelegt, können das nicht immer alles hergeben.

8. Was kann man mit dem KölnArchiv alles machen?

Neben der politischen und bisweilen nostalgischen Erinnerung an die bewegten 1970er und 1980er Jahre, den Kernbestand des KölnArchivs, gibt es mindestens zwei wichtige Gründe, diese Bestände zu erhalten und zu benutzen. Der eine ist die Dokumentation des "anderen Köln" und die Sicherung der Erinnerung an alles das, was schon einmal gedacht, geplant und bisweilen auch realisiert wurde und damit natürlich auch die Option auf die Zukunft offen hält. 
Der andere Grund ist die Möglichkeit, mit diesen Materialien zu arbeiten. Seien es Wis-senschaftler oder Journalisten, die Kölner Themen suchen, Schüler in historischen Projekten oder Studenten mit ihren Examensarbeiten. Themen gäbe es genügend: 

9. Dank

Im Laufe der Jahre haben eine ganze Reihe von Menschen ihre Arbeitskraft und Energie in das KölnArchiv gesteckt, teilweise bezahlt, teilweise engagiert und manchmal beides, das waren seit Beginn: Peter Klein, Ulla Münzer, Heidi Thiemann, Boris Breithaupt, Gitta Boers, Irene Franken, Frank Möller, Marianne Jürgens, Christiane Kling-Mathey, Maria Naumann, Dieter Kublitz, Joachim Heinlein, Eusebius Wirdeier und vor allem Rudolf Kahlfeld.

 

Vielen Dank

Martin Stankowski, Köln

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